Presse: Lesung Neulich

Junge Autoren lasen in der Kleinen Bühne – Szene 93 will Nachwuchs beim Schreiben fördern

Kopfkino angeknipst

VON KIRSTEN D’ANGELI – Kölner Stadt-Anzeiger vom 24.1.2022

Erftstadt-Liblar. „Neulich“ lautete das Motto der Lesung in der Kleinen Bühne in der Poststraße. Das Autorenteam des Kulturvereins Szene 93 hat bereits einen Namen, und so war es nicht verwunderlich, dass das kleine „Theater“ restlos ausverkauft war. Unterstützung hatte sich die junge Autorengruppe um Alina Renz, Florian Winters, Marie Goergen und Carina Küffner von den erfahrenen Gast-Kollegen der Erftstädter Schreibwerkstatt (VHS) geholt: Marianne Brucker-Meisel, Sandra Ulbrich und Doris Brenner waren dieser Einladung gerne gefolgt und haben vorgetragen, was ihnen neulich passierte.

Brenner schlüpfte hierzu in die Rolle einer „Aluhutträgerin“. Die Impfung ablehnend und Donald Trump verehrend hatte sie die Lacher des amüsierten Publikums auf ihrer Seite. Sogar der Papst trage Aluhut, wenn auch mit weißem Stoff kaschiert. Einen Tipp hatte sie für ihre Literaturfans: „Wenn ihr einen Aluhut baut, nehmt nicht die billige Folie, die bringt nichts. Bloß nicht am falschen Ende sparen!“

Was neulich im Garten los war? Florian Winters erfrischende Art, die surreale Geschichte der Kinder Adelheid und Bartholomäus zu erzählen, war grandios. Die Akademikerkinder treffen im Garten auf die Außerirdischen Meteor-Marc und Galaxien-Gerd. Mit ihrer Hilfe lernen sie, endlich Kind zu sein. Eine witzige Kurzgeschichte mit tiefer Botschaft und dem Wunsch, noch viel mehr von diesem jungen Talent zu lesen.

Die jüngste Kurzgeschichtenschreiberin ist Alina Renz. Die 19-Jährige schlüpfte in die Rolle eines Mittdreißigers, der sich über den belegten Stammplatz im Bus ärgert. Wer ist dieses Mädchen, das dort sitzt? Detailliert wusste sie die Szene zu beschreiben, das Kopfkino anzuknipsen und überraschte ihr Publikum mit einem berührenden Finale.

Marianne Brucker-Meisel freute sich über eine Kiste, welche sie neulich wiederentdeckte. Einst voller Lebkuchen ist sie heute voller Fotos und Erinnerungen. Es begann eine Zeitreise – ein altes Haus verliert seinen Charme, um neues Leben in ihm zu ermöglichen.

Seit 2008 treffen sich junge Leute, um sich gegenseitig zu unterstützen und sich weiterzuentwickeln. Die eigenen Texte sollen nicht in der Schublade liegen, sondern von anderen gelesen werden. „Es gibt eine große Weiterentwicklung, eine neue Qualität, wenn man auch mal etwas vortragen muss“, weiß Philipp Wasmund vom Vorstand der Szene 93.

Die Schwerpunkte der Autorengruppe sind Kurzgeschichten, selten auch Lyrik. „Jeder soll schreiben, was er kann und gut findet. Alle Genres sind gleichwertig. Aber manchmal fördert es die Fähigkeiten, wenn zum Beispiel ein Krimiautor auch einmal eine Liebesgeschichte schreibt“, so Wasmund. Der Erfolg gibt ihm Recht, denn nicht nur ausverkaufte Lesungen gehen auf das Konto der Autorengruppe, sondern auch Sammelbände und Hörspiele . Wasmund lädt Interessierte ein: „ Wer Lust aufs Schreiben hat, schickt uns einfach eine E-Mail.“

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