Presse: Junge Kunst 2020 | Des Kaisers neueste Kleider

So flexibel wie kreativ

Künstler des Vereins Szene 93 passen Ihre Ausstellung und Aufführung an neuen Bedingungen an
Von Kathrin Höhne. Kölner Stadt-Anzeiger vom 8. Juni 2020.
Erftstadt. Kontaktlos, aber keinesfalls konzeptlos sind Kunst und Theater beim Verein Szene 93 wieder zurück. In den vergangen Tagen arbeiteten Mitglieder fleißig daran, eine Ausstellung und ein Theaterstück unter den gegebenen Bedingungen zu präsentieren. So öffneten sich am Samstagnachmittag die Türen zur Ausstellung für junge Künstler im Lechenicher Stadthaus. Eine Vernissage gab es nicht, dafür das Erlebnis, wieder direkt vor einem Kunstwerk zu stehen.Engagierte Helfer achteten darauf, dass nie zu viele Leute in den Räumen waren, und wievielerorts wiesen Pfeile auf dem Boden den Weg. Simon Hellmich und Irmgard Ruhnau, die diesjährigen Organisatoren der Schau, gaben in Ihrem Aufruf den Interessierten das Motto „Gemeinsam“ vor. „Bei der Themenwahl haben wir nicht gedacht, dass es zur aktuellen Lagepassen würde“, so Hellmich. Mehr als 20 Künstler im Alter von sechs bis 26 Jahren hat es inspiriert. Zahlreiche gemalte Bilder, kleine Installationen, Collagen und Fotografien wurden eingereicht. „Ich freue mich, zum ersten Mal dabei zu sein“, sagte Carolin Kraus. Die 18-Jährigezeigt in ihrem Werk vor einem farbigen Hintergrund zwei verbundene Hände in Schwarz-Weiß. „Wenn man genauer hinsieht“, erklärte sie, „erkennt man auf den Armen und Händen Figuren, die glücklicher werden, umso näher sie einander kommen.“ Einen Raum weiter stehen in der Fotomontage von Philipp Sterk junge Leute im Mittelpunkt. „Ich wollte zeigen, was für sie Erftstadt ausmacht“, berichtete der 22-Jährige. Nochmal zu sehen ist die „Junge Kunst im Stadthaus“, Weltersmühle 1, am 20. Und 21. Juni von 15 bis 18 Uhr.
Unterdessen nahmen am Samstagabend Besucher im Garten des Jugendzentrums am Köttinger Kirchplatz auf Decken und Campingstühlen Platz. Sie saßen mit gebotenem Abstand zu anderen auf der Wiese, um das neue Stück von Szene 93 „Des Kaisers neueste Kleider“ zu sehen. Das Stück sollte ursprünglich im März Premiere feiern. Daraus wurde nichts, und die Macher entschieden, es als Freilichttheaterzu inszenieren. „Es war eine wahnsinnige Arbeit für uns alle“, berichtete Philipp Wasmund, der zusammen mit Uta Rucks-Habeck aus dem Märchen Klassiker von Hans Christian Andersen einemoderne Komödie machte. Binnen kurzer Zeit musste einiges für den Auftritt unter freiem Himmel geändert werden. Aber Ende gut, alles gut. Die Kulissen hielten dem leichten Windstand, die Darsteller agierten mit Spielfreude, und das Publikum hatte Spaß an der kurzweiligen Geschichte des eitlen Kaisers, der sich nur um seine Garderobe kümmert. Es ist eine Satire, die auf die Verblendung und die Manipulierbarkeit des Menschen anspielt und amüsante Parallelen zur realen Welt sucht. Zu erleben ist das Stück noch am 13., 14. Sowie am 20. und 21.Juni, 18Uhr, am Kirchplatz 3.
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