Presse: Kartoffelsalat & die Ex

Weihnachtskomödie „Kartoffelsalat und die Ex“ der Gruppe Szene 93 sorgt für Heiterkeit und Rührung

Zoff unter dem Tannenbaum

Kölner Stadt-Anzeiger vom 29.11.2021

VON ELKE PETRASCH-BRUCHER

Erftstadt-Liblar. Weihnachten, das Fest der Liebe. Doch was, wenn einem die große Liebe abhanden gekommen ist und man zum ersten Mal seit Jahren allein an Weihnachten zu den Eltern fährt? Moritz Schneider (Michael Poschmann) freut sich trotzdem. Aber ein bisschen mulmig ist dem leidenschaftlichen Weihnachtsfan schon. Seine Musikerkarriere kommt nicht in die Gänge, zu seinem Bruder Fabian (Simon Hellmich) hat er kaum noch Kontakt, und jetzt steht ihm auch noch Weihnachten ohne Nadine bevor.

Gans am Feiertag

Bei den Eltern (Ingo Rehling und Uta Rucks-Habeck) heißt es indes „Alle Jahre wieder“. Es soll wie all die Jahre zuvor am Heiligen Abend Kartoffelsalat mit Würstchen und am ersten Feiertag Gans geben. Dazwischen Christmette und eine Scharade, wie immer. Dann kommt doch noch Nadine (Ann-Kristin Göppert), inzwischen die Freundin von Moritz’ Bruder Fabian. Für Moritz bricht eine Welt zusammen. Als erstes verpasst er seinem Bruder eine blutige Nase, und das einen Tag vor dem Fest der Liebe.

Plötzlich ist nichts mehr wie immer, Weihnachten im Kreise der Familie scheint entzaubert zu sein. Die Weihnachtswelt der Schneiders gerät aus den Fugen: Es gibt keinen Tannenbaum mehr, die beiden Brüder stehlen schließlich das Exemplar vor der Kirche. Die Mutter bekommt derweil einen Nervenzusammenbruch beim Metzger Plum, die bestellte Gans ist nicht da. Überhaupt verhalten sich die Eltern seltsam. Stehen Sie kurz vor der Scheidung, oder ist der Grund ein ganz anderer?

Die Weihnachtskomödie „Kartoffelsalat und die Ex“ des Szene-93-Ensembles ist temporeich und hält Überraschungen bereit. Heiterkeit über den Zoff unter dem Tannenbaum und Rührung über wahre familiäre Gefühle lösen einander bei der Aufführung in Erftstadt ab und begeisterten das Publikum. „Das ist wirklich eine super Leistung“, sagte Luisa Alves aus Liblar. „Besonders die Anspielungen auf unsere Heimat wie Ferdis Pub und die Metzgerei Plum finde ich sehr gelungen.“

Für die Darsteller von Szene 93 ist die Weihnachtskomödie ein Experiment in dieser schwierigen Corona-Zeit. Im letzten Jahr war nur ein Hörspiel möglich. „Wir haben das Ganze in nur zweieinhalb Monaten gestemmt“, erzählt Regisseur Simon Hellmich, der auch den Fabian spielt. „Es war eine tolle Zeit. Wir waren alle Feuer und Flamme, das Stück zu entwickeln und auf die Bühne zu bringen.“ Diese Spielfreude versprühen die Darsteller auf der Bühne von der ersten Minute an.

Sogar die Nebenrollen, allen voran die der schrägen und trinkfreudigen Oma Anna (Monika Nicolaij), sind pointiert besetzt. „Das Leben ist an Weihnachtstagen nur im Vollrausch zu ertragen“, bringt es Vater Markus Schneider schließlich auf den Punkt. Doch nach all den Turbulenzen rauft sich die Familie zusammen. Am Ende sind sich alle einig: „Das war das schönste Weihnachtsfest aller Zeiten.“

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