Lesefest begeistert in Lechenich
30 Autoren lesen auf drei Bühnen im Pfarrzentrum St. Kilian
VON KATHRIN HÖHNE – Kölner Stadt-Anzeiger vom 6. Juli 2026
Erftstadt-Lechenich. Können wir aus Literatur lernen? „Ja, aber es braucht Mut, denn Lesen gefährdet die Dummheit“, beantwortete der vielseitige Autor Ulrich Harbecke diese Frage beim Programmfest zum Erftstädter Lesefest, das am Samstag zum dritten Mal stattfand.
Drei Bühnen, 30 Autoren
Vom Kulturverein Szene 93 und der Gruppe „Die Kraniche“ mit viel Herzblut organisiert, lasen 30 Literaten im Pfarrzentrum St.Kilian auf drei Bühnen aus ihren Werken, darunter auch Bestsellerautoren, und kamen lebhaft mit dem Publikum ins Gespräch. Bereits am frühen Nachmittag füllten sich die Veranstaltungsorte. Da jeweils drei Lesungen parallel stattfanden, konnten sich die Besucher ihr eigenes Programm zusammenstellen und zwischen den Veranstaltungen wechseln. Zum Fest gehörte auch, dass zu Beginn jeder Lesung Mitglieder von Szene 93 und den Kranichen eigene Texte präsen[1]tierten. So erfreuten Julija Kuhlewind und Jörg Neuburg im Turmzimmer die Gäste mit einer humorvollen Geschichte über Kurzmitteilungen aus der Zukunft, bevor Carla Kaspari mit ihrem Buch „Das Ende ist beruhigend“ einen Blick in das Jahr 2130 warf. Die Kölnerin zeichnete ein Bild einer Gesellschaft, deren Entwicklung erschreckend nah an aktuellen Themen liegt, und regte zum Nachdenken über Technologie, gesellschaftlichen Wandel und Verantwortung an. Unterdessen entführte draußen im Garten die mehrfach ausgezeichnete Kinder- und Jugendbuchautorin Kathrin Tordasi aus Berlin mit Auszügen aus „Birds of Paris“ in eine fantasievolle Welt voller Abenteuer. Dabei rückte sie Themen wie Freundschaft, Zugehörigkeit, Ängste und Selbstbehauptung in den Fokus. Das interessiere auch Erwachsene, sagte sie. Zum ersten Mal beim Lesefest dabei, gefiel ihr die Atmosphäre in Lechenich sehr gut. Für einen ganz anderen literarischen Zugangsorgte im Kleinen Saal ein Ensemble von Szene 93.Mit Auszügen aus dem Live-Hörspiel „Der Schatten“, indem es um einen ungeklärten Mord und rätselhafte Figuren geht, verwandelten die Darsteller die Bühne in ein akustisches Kino. Stimmen, Mimik und Gestik verschmolzen zu einer atmosphärischen Inszenierung. „Das war super“, zeigte sich Andrea Glöckner begeistert, die sich gleich doppelt beschenkt fühlte. Denn sie hatte Geburtstag und bekam von ihrer Schwester eine Karte zum Lesefest geschenkt.
Daneben bot das Literaturevent zahlreiche weitere Höhepunkte. Der preisgekrönte Autor Kai Meyer präsentierte seinen aktuellen historischen Roman. Jens Wawrczeck, bekannt als Peter Shaw aus den „Drei ???“, begeisterte mit Geschichten rund um Alfred Hitchcock. Felix Janosa nahm sein Publikum mit auf eine literarische Reise zu den Beatles. Jana Rech verband Literatur und Illustration in einem Zeichenworkshop, während Thomas Krüger, Lennox Lethe, Ulrich Harbecke, Alicia Zett und weitere das Programm bereicherten. Zurück blieb ein begeistertes Publikum.