Presse: Unsere kleine Stadt

Zuschauerraum als Stadtkulisse

Kulturverein Szene 93 inszeniert das Theaterstück „Unsere kleine Stadt“ und verzichtet auf ein großes Bühnenbild.

Von Kathrin Höhne – Kölner Stadt-Anzeiger vom 27. April 2026

Erftstadt-Liblar. Der Kulturverein Szene 93 hatte eingeladen – und zahlreiche Gäste waren gekommen, um am Samstagabend in der Kleinen Bühne in der Poststraße „Unsere kleine Stadt“ zu sehen– jenes Theaterstück, das auf den ersten Blick schlicht wirkt, aber in Wahrheit große Fragen stellt. Am Freitag wurde mit dem Stück bereits vor ausverkauftem Haus Premiere gefeiert.

„Wir hatten Lust, mal wieder einen Klassiker zu inszenieren, einen, der auf ein reduziertes Spiel setzt“, sagte Volker Schumann, der zusammen mit Michaela Rondorf Regie führt. Ein Jahr lang probte das Ensemble mit 17 Mitgliedern das Schauspiel von Thornton Wilder, um nun das Publikum an die Hand zu nehmen und durch die Straßen und Häuser von Grover’s Corners, einer Kleinstadt in New Hampshire, zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu führen und dabei existenziellen Wahrheiten ins Gesicht zu sehen.

Der Zuschauerraum selbst wird dabei zur Stadtkulisse, das Bühnenbild bleibt karg: ein paar Stühle, ein Tisch, kaum Requisiten. Kein Versuch, Realität naturalistisch nachzubilden. Stattdessen setzt die Inszenierung auf Andeutung – und auf die Vorstellungskraft des Publikums. Ein Spielleiter führt durch den Abend, durch Zeit und Raum, spricht das Publikum direkt an, als säße man gemeinsam in einem Wohnzimmer. Er öffnet die Tür zu einer Kleinstadt, die überall sein könnte. So steht im ersten Akt der banale Alltag der Menschen von Grover’s Corners im Jahr 1902 im Fokus. Im zweiten Akt geht es drei Jahre später um die Liebe zweier Nachbarskinder. Emmy und Georg sind im Begriff zu heiraten. Der Schauplatz des dritten Aktes ist der Friedhof. Neun Jahre verheiratet ist Emmy nach der Geburt ihres zweiten Kindes gestorben und nun auf der Reise zu den Toten. Sie darf aber noch einmal einen Tag in ihr altes Leben zurückkehren und erkennt, wie nichtig die Dinge sind, mit denen sich die Lebenden befassen.

Die Darstellerinnen und Darsteller von Szene 93 setzen auf den Text und ihre Präsenz. Das geht gut auf. Sie spielen ohne Pathos, oft zurückgenommen, manchmal mit Ironie, aber nicht distanziert. Sie überzeugen mit ihrer Körpersprache, mit einem Gespür für leise Zwischentöne. Unspektakuläre Momente verwandeln sich in bewegende Szenen. Beziehungen entfalten sich in kleinen Gesten: ein Zögern, ein Blick, ein Satz, der hängenbleibt. Der Tod ist hier kein dramatischer Höhepunkt, sondern Teil eines Kreislaufs, ruhig und unausweichlich. Das Stück stellt Fragen, ohne sie laut auszusprechen: Wie bewusst leben wir unsere Tage? Was bleibt?

„Unsere kleine Stadt“ wird von Szene 93 an weiteren Tagen in der Kleinen Bühne, Poststraße 4, gezeigt, so am Freitag, 1. Mai, 18 Uhr, Samstag, 2. Mai, 20 Uhr, Sonntag, 3. Mai, 18 Uhr, Freitag,
8. Mai, 20 Uhr, Samstag, 9. Mai, 20 Uhr, Sonntag, 10. Mai, 18 Uhr, Donnerstag, 14. Mai, 18 Uhr, Freitag, 15. Mai, 20 Uhr, Samstag, 16.Mai, 20Uhr, und So.17.Mai, 18 Uhr. Karten kosten online auf der Homepage von Szene 93 zehn Euro, ermäßigt sechs Euro und an der Abendkasse zwölf Euro, ermäßigt acht Euro. www.szene93.de

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