Presse: Breakfast Club

Fünf Schüler und eine Strafarbeit

Rundschau vom 15.3.2010 – Von Dieter Wolf

ERFTSTADT.Wenn Applaus das Brot des Schauspielers ist, dann nahm das junge Ensemble von Szene 93 nach der gelungenen Premiere von „Breakfast Club” am Samstagabend Körbe davon mit nach Hause. Und es waren beileibe nicht nur Eltern und Großeltern der jungen Darsteller, die viele „Vorhänge” herausforderten.

Einen echten Vorhang gibt es in der Kleinen Bühne im ehemaligen Feuerwehrhaus von Liblar zwar nicht, dafür ist das Publikum mit den Akteuren geradezu auf Tuchfühlung. Und am Samstag war dies allemal so, denn bei der Premiere blieb kein Stuhl unbesetzt. Das gut Anderthalb-Stunden-Stück „Breakfast Club” widmet sich einer Episode aus Schülerzeiten. Wenngleich es sich bei dem Stoff und seiner Inszenierung um ein reines Jugenddrama handelt, sind die angesprochenen Themen zeitlos und nicht unbedingt an die Generation zwischen 16 und 18 Jahren begrenzt.

Themen wie Vorurteile und soziale Enge, Leistungsdruck und Scheitern sind nicht auf die Jugendzeit beschränkt. Im Gegenteil: Der Wiedererkennungswert vieler Szenen im Stück dürfte auch im Alter von 50 Plus riesig sein. Vor allem hält es der Erwachsenenwelt den Spiegel vor: „Wenn Du erwachsen wirst, stirbt Dein Herz”, sagt eine der jungen Protagonistinnen im Stück. Und diesen Satz dürften viele im Publikum mit nach Hause genommen haben.

Die Story ist einfach, der Schauplatz übersichtlich: An einem Samstagmorgen müssen fünf Schüler einer Schule irgendwo in Illinois /USA „nachsitzen”. Alle haben sich wegen irgendwelcher Verfehlungen einzufinden. Lehrer Richard Vernon ( Sascha Mohme) belegt sie mit einer Strafarbeit. Sie sollen ihr Leben beschreiben. Danach verlässt er die hermetische Welt des Klassenzimmers.

Nach kurzer Zeit entspinnen sich zwischen den sozial, wie emotional recht unterschiedlichen Jugendlichen heftigste Wortgefechte, die bis zur körperlichen Gewalt reichen. Da ist der aggressive Postpunk Brendan (hervorragend gespielt von Jan Ennenga), der die Gruppe aufzumischen droht, Claire, die „Prinzessin” reicher Eltern (Lisa Bachmann), die nur Schminken und Shoppen im Kopf hat, der weltfremde und verlachte Streber Brian (Finn Schmieter), der eher schlichte Leistungssportler Andrew (Max Keller) und die schüchtern und gehemmte Alicen (Rebecca Bach). Die fünf grenzen sich zunächst vehement mit Lügen und Fantasie gegenüber den anderen ab und hauen sich schließlich ihre eigenen Lebensgeschichten buchstäblich um die Ohren.

Immer mehr erkennen sie, wie ähnlich sie sich sind, wie einsam, verzweifelt und sinnlos ihre jungen Leben zwischen elterlicher Ignoranz und gesellschaftlichen Anforderungen zu zerbrechen drohen. Am Ende kommt es zur großen Verbrüderung und zu einem überraschenden Finale.

Die nächsten Vorstellungen von „Breakfast Club”, Kleine Bühne von Szene 93, Poststraße 4, Liblar sind am 21. März 18 Uhr, sowie 26. und 27. März jeweils 20 Uhr.

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