Presse: Junge Kunst 2021

Schau im Stadthaus zeigt Miss-Geschicke aller Art – 25 Teilnehmer

Werke mit Witz und Ironie

VON HANNA STYRIE. Kölner Stadt-Anzeiger vom 31.5.2021

Erftstadt. Wem ist das nicht schon einmal passiert: Man will sein Essen ein wenig nachwürzen, da löst sich plötzlich der Deckel vom Salzstreuer, und schon ist das Mahl ungenießbar. Dieses typische Missgeschick hat Mustafa Mdeek für die Ausstellung „Junge Kunst im Stadthaus“ für ein Foto mit dem sprechenden Titel „Pechvogel“ inszeniert.
„Miss-Geschicke“ aller Art sind der Schau zu sehen, für die 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von drei bis 29 Jahren vornehmlich Fotografien, aber auch Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen eingereicht haben, die bis Ende Juli im Stadthaus zu sehen sind.

„Bei der Auswahl hatten wir viel zu lachen“, berichtet Simon Hellmich, der zusammen mit Irmi Ruhnau für die Organisation verantwortlich war. Witz und Selbstironie sind nämlich bei vielen der Werke im Spiel.
Marianne Ruhnau etwa ließ sich in ihrer Küche mit einem verbrannten Stück Brot vor einem brennenden Toaster ablichten, Marie Priess hat Szenen „Aus dem Leben eines Schussels“ um ein Selbstporträt arrangiert. Moritz Heck posiert auf einem Foto vor der Waschmaschine mit einem eingelaufenen Pullover, in den er sich mühsam hineinzwängt.
Sarah Ebermann zeigt in einer 29-teiligen Fotoserie, welch bizarre Formen verschüttetes Mehl auf schwarzem Untergrund annehmen kann. Maja Müller, mit drei Jahren die jüngste Teilnehmerin, hat mit rosa Knetmasse einen Haufen „Einhornkacka“ geformt und mit Glitzer bestreut; die sechsjährige Mia Hellmich hat auf rotem Karton einem verbrannten Geburtstagskuchen ein Denkmal gesetzt.

Raphael Post ist ein Zufallstreffer geglückt. Er hat einen Kleinwagen fotografiert, der über den Parkplatz hinaus in einen Graben gerutscht ist. Ernstere Töne schlägt Rebekka Hönnerscheid in ihren farbintensiven Gemälden an, die Menschen im Bus zeigen, die zu keiner Kommunikation fähig sind. Gleiches gilt für die Tonfigur, die reglos auf ihr Handy starrt.
Für Irmi Ruhnau ist die schwarze Katze, die sie gleich in drei Varianten gezeichnet hat, Vorbotin kommenden Ungemachs. Jamie Ella Keller ist mit feinen Zeichnungen vertreten, ebenso Jessica Specovius, die verschütteten Kaffee kurzerhand als Malmittel benutzt hat. Jan-Philipp Hellmich präsentiert einen dreiteiligen „Krückenwald“, in dem die Gehhilfen fast etwa Wesenhaftes bekommen.

Im Kabinett sind die Ergebnisse der Fotorallye zu sehen, zu der der Kulturverein Szene 93 im April eingeladen hatte. Die Ausstellung im Stadthaus ist am Sonntag 13. und 20. Juni sowie am 26./27. Juni, außerdem am 10./11. und 24./25. Juli jeweils von 15 bis 18 Uhr zu sehen. Derzeit ist eine Terminbuchung für 30 Minuten erforderlich.

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