Kritik: Love Letters

Briefe einer großen Liebe

Erftstadt-Anzeiger vom 20.9.2018 – Von Claudia Scheel

Erftstadt-Liblar – (cs) Im Rahmen der Erftstädter Kulturzeit feierte das Theaterensemble von Szene 93 mit der szenischen Lesung „Love Letters“ von Albert R. Gurney Premiere. Die berührend-bezaubernde Liebesgeschichte zweier unterschiedlicher Charaktere wurde von Cornelia Rehling und Dennis Piontek inszeniert.

Neuengland, Ende der 1930er Jahre: Melissa (Sandra Pries) und Andrew (Ingo Rehling) sind Sandkastenfreunde. Doch das Leben führt die gegensätzlichen Charaktere auf unterschiedliche Wege: Andrew, der pflichtbewusste Musterschüler, studiert Jura an Eliteuniversitäten, macht Karriere in der Politik. Melissa, chaotischer Freigeist aus reichem Hause, eckt überall an, versucht sich mit mäßigem Erfolg als Künstlerin und schaut allzu häufig zu tief ins Glas. Zwei Menschen, die nicht für einander geschaffen sind – sollte man meinen. Und dennoch verbindet ein nicht abreißender Briefwechsel Melissa und Andrew ein ganzes Leben lang, bis sie realisieren, dass da doch immer mehr war als nur eine Brieffreundschaft.

Mit „Love Letters“ bringt Szene 93 eine szenische Lesung auf die Bühne, die von zwei Menschen erzählt, die einander nicht finden und doch nicht voneinander lassen können. Genau diese Authentizität der Liebesgeschichte war es, die die Regisseure Cornelia Rehling und Dennis Piontek faszinierte: „Wir haben „Love Letters“ unabhängig voneinander in einem kleinen Kölner Theater gesehen und waren beide sofort davon angetan, wie das Stück mit nur wenigen Briefen die Geschichte der Protagonisten nachzeichnet. Die bewegendsten Liebesgeschichten sind nicht die rosaroten, sondern die, die das Leben schreibt.“

Und so geht es in der Tragikomödie um das Leben in all seinen Facetten: um Hoffnungen und geplatzte Träume, verpasste Gelegenheiten, erste Liebe und späte Affären, um Ärger, Verzweiflung, Trauer, aber auch Freude und Spaß.

Obwohl das Stück als reine Lesung angelegt ist – zwei Schauspieler sollten, so eine Regieanmerkung des Autors, für einen Abend zusammenkommen, sich an einen Tisch setzen und ihre Briefe vortragen – haben die Regisseure dieses Prinzip bewusst durch Spielszenen aufgebrochen, um den Figuren mehr Tiefe und Bewegung zu verleihen. Auch das eigentlich spartanisch konzipierte Bühnenbild wurde modifiziert: Gegenstände, die im Leben von Melissa und Andrew eine Rolle spielen, finden sich wieder, unterstützen den gelesenen Text und dienen als Anregung für den Zuschauer. Und nicht zuletzt zieht das Stück seine Kraft und Faszination aus dem Spiel der ausgezeichneten Akteure: Sandra Pries und Ingo Rehling gelingt es auf beeindruckende Weise, die komplexe Emotionalität der berührenden Lebens- und Liebesgeschichte zu transportieren.

Weitere Vorstellungen der sehenswerten Inszenierung finden am Samstag, 29. September, 20 Uhr, sowie am Sonntag, 30. September, 18 Uhr. in der Kleinen Bühne in der Poststraße 4 statt. Für Samstag, 6. Oktober, 20 Uhr, ist eine zusätzliche Aufführung angesetzt. Kartenreservierung und Informationen unter www.szene93.de und (0 22 35) 92 28 34.

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