Presse: Vom Frosch, der ein Prinz wurde

Der Frosch will kein Prinz sein

Anette Dewitz hat ein Puppen-Theaterstück geschrieben

Von Elke Petrasch-Brucher. Kölner Stadt-Anzeiger vom 7. Juni 2017

Erftstadt-Liblar. Der Frosch hat ein märchenhaftes Leben. Mit seiner Familie lässt er sich es am See gut gehen, ab und zu fliegt eine leckere Libelle vorbei. Leider kommt eines Tages eine gelangweilte Prinzessin zum See, die die Urversion des „Froschkönigs" der Brüder Grimm zu kennen scheint, denn ehe der Frosch sich versieht, küsst sie ihn.

Von einer Sekunde auf die andere gerät sein gemütliches Froschleben aus den Fugen, denn anders als bei den Brüdern Grimm wird in dem modernen Märchen von Anette Dewitz aus ihm kein wunderschöner, sondern ein grüner, hässlicher Prinz, der der nur ein klägliches „Quak“ hervorbringt. Fortan ist er über all der Fremde, nirgendwo gehört er mehr dazu. Weder im Palast, wo die Prinzessin sich redlich abmüht, ihm das ABC beizubringen, noch am See, wo seine Froschfamilie ihn nicht mehr erkennt. Doch der tapfere grüne Kerl beißt sich durch.

„Genau das möchte ich meinen kleinen und großen Zuschauern vermitteln, sagt Anette Dewitz. „Das Leben kann sich von einer Minute zur anderen ändern. Dann ist es wichtig zu kämpfen und das Beste aus seiner Situation zu machen.“ Sie hat das selbst erlebt. Nach einem Burnout stellte sie ihr ganzes Leben auf den Kopf, begann, ihre Träume zu verwirklichen. Sie zeichnet, schreibt Kinderbücher, hat gelernt ihre Klappmaulpuppen selbst zu bauen.

Mit den Puppen-Theateraufführungen ihres Kinderbuches „Vom Frosch, der ein Prinz wurde“ ab Samstag, 10. Juni im Liblarer Theater „Kleine Bühne“ von Szene 93, kommt Anette Dewitz ihrem Traum ein ganzes Stück näher. „Mein Puppen-Theater ist für Leute ab sechs Jahre gedacht. Ich freue mich, wenn sich die Eltern genauso unterhalten führen wie die Kinder“, sagt sie. „Man sollte Kinder sowieso nie unterschätzen, sie machen sich viele Gedanken über Freundschaft und das Leben.“

Ihr eigenes Leben wird derzeit bestimmt vom Bau der Klappmaulpuppen. Die Herstellung einer Puppe wie des Frosches dauert mindestens eine Woche. „Im Wohnzimmer wird gebastelt und genäht, es riecht nach Klebstoff und im Baumarkt gehe ich ein und aus, meistens mit Schaumstoff unter dem Arm“, sagt sie. Ihre Familie arbeitet mit. Ehemann Rüdiger ist für die Technik zuständig, Sohn Bastian hat die Musik zum Stück geschrieben.

Dass sie es nun hier in Liblar aufführen kann, sieht Anette Dewitz als großes Glück an. Genau wie Philipp Wasmund von Theater Szene 93. „Anettes Klappmaul-Rumpelwichte hatten hier bereits Premiere, im Stück Ronja Räubertochter von Astrid Lindgren. Sie waren die Lieblinge des Publikums.“

Tatsächlich ist Dewitz‘ Puppenspiel weit von Kasperle-Theater entfernt, eine nachdenkliche Geschichte mit vielen heiteren Momenten.

Karten und Termine: wwww.szene93.de/anette-dewitz-vom-frosch-der-ein-prinz-wurde


Bericht aus dem Erftstadt Magazin vom 27. Mai 2017

 

Bliesheimerin Anette Dewitz ist Puppenspielerin

Kermits Enkel auf der Bühne

Seit Jahren kennt man die Anette Dewitz in Erftstadt als Kinderbuchautorin. Nun hat sie sich einen langgehegten Wunsch erfüllt: Sie baut und spielt eigene Klappmaulpuppen. Inzwischen unterstützte sie schon Fernsehstar Martin Reinl und arbeitet an ihrem ersten eigenen Stück, das im Juni Premiere feiert.  

Wie bringt man einen Drachen auf eine Theaterbühne? Als Anette Dewitz vor sechs Jahren das Stück „Ein Drache für den König“ für die Gruppe „Erftkultur“ schrieb, musste sie diese Herausforderung irgendwie meistern. Die Lösung konnte nur eine Puppe sein, die von einem Schauspieler geführt wird. „Das war mein erster Versuch eine Puppe zu bauen, der aber noch ziemlich fehlerhaft war“, erzählt sie fröhlich. Viel wichtiger war, dass sich die Bliesheimerin daran erinnerte, wie begeistert sie selbst vom Puppenspiel ist. „Ich wollte schon nach dem Abitur Puppenspielerin werden, aber die Aussichten des Berufsberaters waren nicht so gut.“ Es fehlte damals an professioneller Ausbildung und die beruflichen Chancen beschränkten sich auf die Augsburger Puppenkiste und das Kasperle-Theater. So wurde es erst einmal nichts mit dem Traumberuf. Das Kreative ließ sie dennoch nicht los. In den letzten Jahren ist die Bliesheimerin mit zahlreichen Kinderbüchern („Als die kleine Giraffe ihre Punkte verlor“) in der Region bekannt geworden. Nach dem Theaterstück „Ein Drache für den König“ machte jemand sie auf Puppenkurse am Figurentheater-Kolleg in Dortmund aufmerksam. „Ich habe immer gerne gebastelt und genäht. Ich dachte, ich habe etwas Talent, das wird schon.“ Dozent Bodo Schulte, der unter anderem den „Käpt’n Blaubär“ in der gleichnamigen Serie spielte, beeindruckte sie aber nachhaltig. „Da sah ich, wie schwer es ist eine Puppe wirklich lebendig werden zu lassen.“ Anette Dewitz lernte, dass sie selbst mit ganzem Körpereinsatz mitspielen muss, damit die Puppe lebt – und nicht nur rumhampelt. Beim Bau und der Entwicklung der Figur merkte sie, dass sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen muss. „Es gibt meist eine Grundidee, aber die Puppen werden schnell lebendig und haben dann einen eigenen Charakter“, erklärt sie lächelnd. Schaumstoffmatratzen nutzt sie für den Bau der Körper, ansonsten geht die Puppenbauerin neugierig durch Geschäfte, um Materialien zu finden. „Für die Augen eignen sich Tischtennisbälle“, sagt Anette Dewitz.

Puppenstars & Helene Fischer

Hilfreich auf ihrem Weg war auch die langjährige Freundschaft mit Puppenspieler Martin Reinl, den viele durch die Klappmaulpuppen „Wiwaldi“ oder „Horst Pferdinand“  aus „Zimmer frei“ kennen. Bei kurzen Werbeclips für die RTL „Puppenstars“ half sie bei Szenen mit mehreren Puppen aus und bei einem Auftritt von Martin Reinl in der Helene-Fischer-Show spielte sie ebenfalls mit. „Das ist schon sehr anstrengend, denn man muss in sehr gekrümmter Haltung die Puppe halten und dabei auf einem kleinen Kontrollmonitor blicken“, erzählt sie. Der nächste Schritt wird nun ein eigenes Stück sein, selbst geschrieben und gespielt. Dafür hat Anette Dewitz Inszenierungskurse besucht und 15 Puppen gebaut. In jeder steckt rund eine Woche Arbeit. „Vom Frosch, der ein Prinz wurde", so der Titel, hat im Juni in der Kleinen Bühne in Liblar Premiere und basiert auf ihrem eigenen Kinderbuch. „Es ist eigentlich nur noch die Grundidee, denn das Stück geht rund eine Stunde.“ Die Autorin hat noch einige Erzählstränge und witzige Dialoge mit Situationskomik hinzugefügt, die auch Erwachsene lustig finden werden. Eine Herausforderung ist nicht nur das Bauen der vielen Puppen, Requisiten und der Bühne, sondern auch das Textlernen für alle Figuren. „Das Stück ist für einen Anfänger eigentlich zu groß“, sagt sie bescheiden und lacht. „Aber ich bin zu alt, um klein anzufangen.“ In ihren Lebenstraum steckt sie ganz viel Leidenschaft. „Nach der Premiere bin ich von Beruf Puppenspielerin“, sagt sie glücklich.