Kritik: Alles tutti, Familie Pampel?!?

Gäste vom anderen Stern

Szene 93 unterhält mit „Alles tutti, Familie Pampel?!?“ bestens

Von Hanna Styrie. Kölner Stadt Anzeiger / Rundschau vom 21.11.2017

Erftstadt. Eigentlich hat es die alleinerziehende Mutter Pampel mit ihren beiden heranwachsenden Töchtern schon schwer genug: Sophie hat ein Faible für alles Außerirdische und stellt seltsame Untersuchungen an, statt sich am Unterricht zu beteiligen, und die rebellische Michelle, die unbedingt zu Rock am Ring will, wird beim Klauen erwischt. Da steht zu allem Überfluss eine Mitarbeiterin des Jugendamts von der Tür, die sie in ihrer verlotterten Wohnung nur mit Mühe davon überzeigen, dass ihre Familie „völlig normal“ ist. Als ihr dann noch vollkommen unerwartet drei Weisen von einem anderen Stern ins Haus schneien, ist es mit der Beherrschung vorbei.

Alles tutti, Familie Pampel heißt das neue Stück von Szene 94, das am Samstag Premiere hatte. Philipp Wasmund hat es geschrieben, Regie geführt und sich um die Technik gekümmert.

Glücksgriff gelungen

Die einhellige Begeisterung der Zuschauer war der Lohn für den enormen Einsatz. Die witzige Geschichte regt zum Nachdenken an, und die sieben Darsteller machen sich prächtig in ihren Rollen. Mit den 13- und 14-jährigen Schülerinnen Wunna Schultz-Wild (Sophie) und Madita Friedrichs (Michelle ist Wasmund ein Glücksgriff gelungen. Die beiden spielen ohne Lampenfieber die Gegensätzlichkeit der Charaktere aus und tragen zur allgemeinen Erheiterung bei. „Sind wir jetzt ein intergalaktisches AirBNB“?“ fragt die coole Michelle mit Blick auf die exotischen Besucher, während Sophie sogleich sachverständig konstatiert, dass diese ihnen in der Entwicklung weit überlegen sind. Elke Rühl als temperamentvolle Mutter Pampel ebenfalls eine Idealbesetzung. Sie ist zwar mit Kindern und Haushalt arg überfordert, hat aber das Herz auf dem rechten Fleck und reichlich gesunden Menschenverstand. Das Kontrastprogramm zum liebenswert chaotischen Trio stellen die kopfgesteuerten Außerirdischen dar, die mit ihrer goldfarbenen Haut und den golddurchwirkten Gewändern wie die drei Könige aus dem Morgenland erscheinen. Sie mussten ihren Planeten wegen einer Auseinandersetzung verlasse und sind den Pampels zugewiesen worden, die sich nun irgendwie mit ihnen arrangieren müssen. Parallelen zur Flüchtlingskrise drängen sich da auf, die in diesem Stück ganz unverkrampft und ohne jedes Sendungsbewusstsein verhandelt werden. Sascha Mohme (Cru), Hanna Beuel (Frau) und Constantin Wasch (Lu) mimen die majestätischen Besucher die messerscharf die Familiensituation analysieren. „Die Erdenpopulation ist so ganz anders als unsere Einheit“, stellen sie erstaunt fest. Dennoch beweisen sie Anpassungsfähigkeit und sogar bereit, die angeranzte Bude auf Hochglanz zu polieren. (Hier ist eine Passage gekürzt, die das Ende verrät). Reale und märchenhafte Bestandteile verbinden sich in der Komödie, in der Situationskomik und Wortwitz die Zuschauer ebenso bei Laune halten, die das ausgesprochen spielfreudige Ensemble.

Völlig zu Recht wurden alle Beteiligten am Schluss mit anhaltendem Applaus gefeiert.


Alltag der Pampels im Ausnahmezustand

Von Claudia Scheel - Erftstadt Anzeiger vom 22.11.2017

Mit „Alles tutti, Familie Pampel?!?“ feierte die neue Komödie von Szene 93 auf der Kleinen Bühne Premiere. Das Stück aus der Feder des Szene-Vorsitzenden Philipp Wasmund begeisterte die Premierengäste mit liebenswerten Figuren, schnellem Dialogwechsel, sprühendem Wortwitz und viel Situationskomik.

 Als wäre das Leben von Mutter Pampel (Elke Rühl) nicht schon schwer genug: Das Geld reicht vorn und hinten nicht; Tochter Sophie (Wunna Schultz-Wild) ist zwar pfiffig, aber spleenig und wird deshalb in der Schule gemobbt. Ihre aufmüpfige Schwester Michelle (Madita Friedrichs) steht auf Punkmusik und wurde erst kürzlich beim Klauen ertappt. Entspannung findet die Alleinerziehende nicht beim Hausputz, sondern mit Erdnussflips vorm Fernseher. Kein Wunder, dass diese Zustände Sozialarbeiterin Schmitz (Jennifer Piontek) vom Jugendamt auf den Plan rufen. Und dem nicht genug – plötzlich quartieren sich auch noch drei ungebetene Gäste in Familie Pampels kleiner Wohnung ein: Kommandant Lu (Constantin Wasch) und die Leutnants Fru (Hanna Beuel) und Cru (Sascha Mohme) wurden der „Einheit Pampel“ vom intergalaktischen Ministerium zugewiesen. Die einst privilegierten Repräsentanten der goldenen Population hatten ihren Planeten verlassen müssen, um der Dematerialisierung durch die Violetten zu entgehen. Jetzt ist Mutter Pampels ganzes Geschick gefragt, um die Situation in den Griff zu bekommen…

Mit „Alles tutti, Familie Pampel?!?“ bringt die neue Inszenierung von Szene 93 eine rasante Komödie mit Tiefgang auf die Bühne. Die Flüchtlingskrise, so Autor Philipp Wasmund, der auch Regie führte, habe ihn beim Schreiben des Stücks inspiriert, allerdings in eher symbolischer Weise: „Die Außerirdischen sind keine arabischen Flüchtlinge, sondern im Grunde „von hier“. Sie repräsentieren das westliche Establishment, dessen Handlungen für Fluchtursachen stehen. Einfache Leute wie die Pampels müssen dies ausbaden und die ihnen zugelosten Oberschicht-Außerirdischen unterbringen.“ Um die Thematik als Komödie umzusetzen, setzte Wasmund auf hohes Tempo, originellen Sprachwitz und eine gehörige Portion Situationskomik. Die spielfreudigen Schauspieler und Schauspielerinnen bewiesen das richtige komödiantische Timing und beeindruckten durch ihre Bühnenpräsenz. Von der Zusammenarbeit mit den Akteuren unterschiedlichsten Alters – die beiden jüngsten Schauspielerinnen sind gerade einmal 13 bzw. 14 Jahre alt – zeigte sich der Autor und Regisseur begeistert: „Kurz vor unserem 25. Jubiläum sind unsere Produktionen immer noch jung und frisch. Das Konzept des Vereins, sehr erfahrene (wenn auch noch junge) Schauspieler mit Nachwuchsakteuren zusammenzubringen, hat sich wieder einmal bewährt.“

Weitere Vorstellungen der sehenswerten Komödie „Alles tutti, Familie Pampel?!?“ finden am Samstag, 25. November und 9. Dezember um 20 Uhr sowie am Sonntag, 26. November und 3. Dezember um 18 Uhr in der Kleinen Bühne, Poststraße 4 statt. Für Samstag, 6. Januar 2018, 20 Uhr, und Sonntag, 14. Januar 2018, 18 Uhr, sind zwei zusätzliche Aufführungen angesetzt.